PPF-Verfahren

PPF-Verfahren: Definition und Ablauf im Qualitätsmanagement

Das PPF-Verfahren schafft einen geregelten Rahmen, um Produkt und Produktionsprozess vor dem Produktionsstart abzusichern. So wird nachvollziehbar, ob Anforderungen, Nachweise und Serienfähigkeit zusammenpassen.

PPF-Verfahren - Auf einen Blick

Was ist das PPF-Verfahren?

Das PPF-Verfahren ist ein standardisiertes Verfahren der Automobilindustrie, mit dem im Qualitätsmanagement die Produktionsprozess- und Produktfreigabe vor dem Serienstart strukturiert vorbereitet und nachgewiesen wird.

Wofür wird das PPF eingesetzt?

Das PPF wird eingesetzt, um die Freigabe von Produkt, Produktionsprozess und zugehöriger Nachweisführung vor der Serie fachlich abzusichern.

Wann wird eine Produktionsprozess- und Produktfreigabe erforderlich?

Eine Produktionsprozess- und Produktfreigabe wird typischerweise bei neuen Serienteilen, technischen Änderungen oder veränderten Rahmenbedingungen im Produktionsprozess erforderlich.

Welche Nachweise gehören typischerweise dazu?

Zum PPF-Verfahren gehören in der Regel technische Produktunterlagen, prozessbezogene Nachweise wie der Produktionslenkungsplan, Prüf- und Qualitätsnachweise sowie Musterteile und Freigabedokumente.

Was versteht man unter dem PPF-Verfahren?

Das PPF-Verfahren ist ein standardisiertes Verfahren der Automobilindustrie zur Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF). Es dient als Nachweis, dass Serienteile und der zugehörige Produktionsprozess die vereinbarten Anforderungen unter Serienbedingungen erfüllen.

Die Grundlage dafür bildet das VDA-Band 2. In der aktuellen 6. Auflage von 2020 rückt der risikobasierte Ansatz in der frühzeitigen Abstimmung zwischen Kunde und Lieferant stärker in den Mittelpunkt. Ziel ist der belastbare Nachweis, dass Produkt und Produktionsprozess unter realen Serienbedingungen freigabefähig sind.

Die Rolle des PPF-Verfahrens im Qualitätsmanagement

Das PPF-Verfahren schafft im Qualitätsmanagement eine belastbare Grundlage für die Freigabe von Produkt und Produktionsprozess. Damit übernimmt PPF eine wichtige Rolle zwischen Entwicklung, Fertigung und Qualitätssicherung und Lieferantenbewertung.

Das Verfahren bündelt Anforderungen, Nachweisführung und Bewertung in einer Form, die vor dem Produktionsstart eine belastbare Grundlage für die Freigabe schafft und den SOP (Start of Production) absichert.

Wann wird eine Produktionsprozess- und Produktfreigabe erforderlich?

Eine Produktionsprozess- und Produktfreigabe wird vor allem bei neuen Serienteilen, technischen Änderungen oder angepassten Vorgaben erforderlich. Auch Änderungen an Produktionsprozessen, Werkzeugen, Materialien oder am Standort machen meist ein neues PPF-Verfahren notwendig. Schon veränderte Rahmenbedingungen können dazu führen, dass eine erneute Bemusterung und Prüfung notwendig wird.

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So läuft das PPF-Verfahren ab

Dem PPF-Verfahren liegt ein prozessorientierter Ansatz zugrunde. Anforderungen werden abgestimmt, Muster unter Serienbedingungen gefertigt, Nachweise erstellt und anschließend bewertet. Ziel ist eine Produktfreigabe, die zeigt, ob Produkt, Produktionsprozess und Dokumentation für die Serie tragfähig sind.

Beim PPF steht die abgestimmte Vorgehensweise im Vordergrund. Kunde und Lieferant legen gemeinsam fest, welche Dokumente, Prüfungen und Nachweise für die jeweilige Produktionsprozess- und Produktfreigabe erforderlich sind. Auf dieser Basis wird geprüft, ob die Forderungen aus VDA und Projektkontext erfüllt sind.

Phase 1: Abstimmung zwischen Kunde und Lieferant

Am Anfang des PPF-Verfahrens steht die Abstimmung. Dabei wird festgelegt, welche Dokumente, Muster, Nachweise und kundenspezifischen Anforderungen für das konkrete Produkt vorgelegt werden müssen.

Es gibt keine pauschale Standardlösung für jedes Teil. Entscheidend ist, welche Forderungen, Risiken, technischen Randbedingungen und gegebenenfalls Vorgaben aus einer Qualitätssicherungsvereinbarung (QSV) im Projekt gelten. Kunde und Lieferant schaffen damit früh eine gemeinsame Basis für die spätere Prüfung und Bewertung.

Phase 2: Produktionsprobelauf unter Serienbedingungen

In der zweiten Phase werden die Teile unter realistischen Bedingungen gefertigt. Entscheidend ist der Nachweis aus dem tatsächlichen Produktionsprozess.

Wichtig ist dabei, dass Werkzeuge, Abläufe, Personal und Menge möglichst nah an der späteren Serienproduktion liegen. Nur so lässt sich bewerten, ob Produktionsprozesse stabil laufen und ob das Produkt in der geforderten Qualität hergestellt werden kann.

Phase 3: Dokumentation und Validierung der Nachweise

Das PPF-Verfahren lebt von sauberer Nachweisführung und die vorgelegten Unterlagen müssen zusammenpassen. Sie sollen zeigen, dass Anforderungen, Vorgaben und reale Prozessergebnisse ein belastbares Gesamtbild ergeben.

Dazu gehören je nach Fall unter anderem:

  • technische Unterlagen

  • Prüfberichte und Messergebnisse

  • Aufzeichnungen zum Produktionsprozess

  • Nachweise zur Absicherung von Produkt und Produktionsprozess

Phase 4: Einreichung und Bewertung

Sind die Nachweise vollständig, werden sie beim Kunden eingereicht. Dazu gehören Musterteile, Berichte und weitere Unterlagen zur Überprüfung der vereinbarten Forderungen.

Darauf folgt die Bewertung. Der Kunde prüft, ob Produkt, Produktionsprozess und Nachweise die Voraussetzungen für eine Freigabe erfüllen. Im PPF-Verfahren ist das der Punkt, an dem sich zeigt, ob die bisherige Dokumentation tragfähig ist oder ob noch Lücken bestehen.

Phase 5: Freigabestatus und Nachforderung

Am Ende wird über den Freigabestatus entschieden. Je nach Ergebnis folgt eine Freigabe, eine befristete Freigabe oder eine Nachforderung, wenn Unterlagen, Muster oder Ergebnisse noch Lücken aufweisen. Eine formale Produktfreigabe bedeutet, dass die vereinbarten Anforderungen erfüllt sind und die Grundlage für den Herstellungsprozess steht.

Welche Nachweise gehören typischerweise zum PPF-Verfahren?

Zum PPF-Verfahren gehören Nachweise, mit denen Produkt, Produktionsprozesse und Freigabereife nachvollziehbar belegt werden. Welche Unterlagen im Einzelfall erforderlich sind, hängt von Bauteil, Risiko, Kundenanforderungen und dem abgestimmten Vorgehen nach VDA ab.

Die Nachweise werden in vier Bereiche gegliedert:

  • Technische Produktunterlagen: Technische Produktunterlagen beschreiben, was gefertigt werden soll und welche Anforderungen dafür gelten. Dazu gehören Zeichnungen, freigegebene Änderungsstände, technische Vorgaben und Spezifikationen des Kunden.

  • Prozessbezogene Nachweise: Prozessbezogene Nachweise zeigen, wie das Produkt im späteren Herstellungsprozess gefertigt wird. Dazu zählen etwa Prozessflussdarstellungen, FMEA im Rahmen der FMEA-Methodik und der Produktionslenkungsplan (Control Plan) als Nachweis der Prozesslogik.

  • Prüf- und Qualitätsnachweise: Prüf- und Qualitätsnachweise belegen, dass Produkt und Produktion die geforderte Qualität unter Serienbedingungen erreichen und die vereinbarten Standards eingehalten werden. Dazu gehören Messdaten, Prüfberichte, Materialnachweise, Prozessfähigkeitsnachweise und je nach Fall auch eine Prüfmittelüberwachung oder softwarebezogene Tests.

  • Musterteile und Freigabedokumente: Musterteile und Freigabedokumente bilden den Abschluss der Erstbemusterung. Sie zeigen, ob die vorgelegten Teile, Ergebnisse und Nachweise als Grundlage für die spätere Freigabe ausreichen, etwa im Kontext eines PPF-Berichts oder eines Initial Sample Inspection Report.

PPF und PPAP: Was ist der Unterschied?

PPF und PPAP (Production Part Approval Process) verfolgen dieselbe Grundidee: Beide Verfahren sollen vor der Serie belegen, dass Produkt, Produktionsprozess und Nachweise die vereinbarten Anforderungen erfüllen.

  • PPF ist die deutsche Vorgehensweise nach VDA und damit stärker am Umfeld der deutschen Automobilindustrie ausgerichtet.

  • PPAP stammt aus dem amerikanischen Raum und orientiert sich an den Vorgaben der AIAG, also der dortigen Arbeitsgruppe für Lieferantenqualitätsforderungen.

Die Gemeinsamkeiten sind trotzdem groß, in beiden Fällen geht es um Bemusterung, Nachweisführung und die spätere Produktfreigabe unter Serienbedingungen.

Häufige Fragen und Antworten

Eine PPF ist die Produktionsprozess- und Produktfreigabe im Umfeld der deutschen Automobilindustrie. Das Verfahren dient der Sicherstellung, dass Produkt, Produktionsprozess und Nachweise vor der Serienproduktion die vereinbarten Anforderungen erfüllen.

Die Produktfreigabe ist die Bestätigung, dass ein Produkt die geforderten Merkmale, Spezifikationen und Qualitätsanforderungen erfüllt. Für Unternehmen ist sie ein zentrales Element, um die spätere Lieferung von Serienteilen belastbar abzusichern.

Die Freigabe des Produktionsprozesses bestätigt, dass die geplanten Prozesse unter Serienbedingungen stabil laufen und die geforderte Qualität in der vorgesehenen Stückzahl erreicht werden kann. Sie ist damit ein wichtiger Teil der Prozessfreigabe und der späteren Serienabsicherung in der Lieferkette.

VDA 2 beschreibt die grundlegenden Anforderungen an das PPF-Verfahren und legt fest, wie Nachweise, Musterteile und Freigaben im Rahmen der Bemusterung zusammengeführt werden. Die aktuelle Auflage schafft einen Rahmen, in dem Kunden und Lieferanten die erforderlichen Unterlagen und Prüfungen projektbezogen abstimmen.

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Carsten Scheidig

Geschäftsführer  &  Senior Consultant

Carsten Scheidig ist Gründer und Geschäftsführer der CSM Consulting. 
Er absolvierte sein Studium zum Diplom-Wirtschaftspädagogen und Master of Business Administration an Universitäten in München und Konstanz. Er verfügt über langjährige Erfahrung als Berater, Auditor und Trainer für Managementsysteme. Als Lead Trainer der TÜV Süd Akademie führt Carsten Scheidig QM Fachkräfte- und Auditorenseminare durch. Er ist Lead Auditor für die BMW Group und akkreditierter Zertifizierungsauditor für 9001 und 14001.

#Ideengeber
#ZertifizierungNaUnd 

„Zertifizierungen sind kein Hexenwerk. Ich spreche ISO – bin Normenmensch, aber kein Paragraphenreiter. Praxisorientiert, effizient und mit Leidenschaft für Beratung und Schulung. Familie, Freunde, Sport und mein Garten sorgen für den Ausgleich.“ 

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Sebastian Jürgel, Senior Consultant bei CSM Consulting

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Sebastian Jürgel absolvierte an der Universität der Bundeswehr sein Studium in Bildungsmanagement und Organisationsentwicklung und hat an der Allensbach Hochschule seinen MBA (GM) abgeschlossen. Er verfügt über langjährige Erfahrungen als Leiter für Qualitäts- und Umweltmanagement im Sondermaschinenbau und der Automobilzulieferindustrie sowie bei der Umsetzung von Zertifizierungen im internationalen Umfeld.

#problemlöser
#funktionierenmusses

„CSM ist nicht 9-to-5. CSM ist für den Kunden optimale Ergebnisse zu erzielen. Und nach der Arbeit? Geht es steil bergab, aber nur mit dem Bike auf dem nächsten Trail und mit ausreichend Airtime.“

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Nicole Scheidig ist Auditorin für Qualitätsmanagementsysteme, Food Safety und Datenschutzauditorin nach den Anforderungen der DSGVO. Durch ihre Arbeit als Trainerin und Beraterin für Implantologie und langjährige Führungskraft im medizinischen Bereich der Bundeswehr verfügt Sie über umfangreiche Erfahrung in der Medizinbranche.

„Qualität bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit klaren Prozessen nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Das macht mir Freude – dafür stehe ich.“

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Antje Grimmer hat ihre akademischen Abschlüsse in Personalmanagement und Business Administration an verschiedenen Hochschulen erlangt. Ihr Schwerpunkt liegt im Aufbau und der Weiterentwicklung von Managementsystemen für Qualität, Energie und Nachhaltigkeit.

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„Ich liebe es, Struktur mit Empathie zu verbinden – so entstehen Lösungen, die wirklich zu unseren Kunden passen. Privat tanke ich Energie bei Familie, Freunden und Zumba.“

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Tobias Fischer verfügt als technisch versierter Qualitätsingenieur und FMEA-Experte über umfangreiche Erfahrungen in komplexen Entwicklungsprojekten im internationalen Bereich. Sein Schwerpunkt ist die Unterstützung bei der Anwendung der Automotive Core Tools sowie die Durchführung von Audits.

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“Mit Dynamik, Verstand und Leidenschaft für Qualität entwickle ich praxisnahe und maßgeschneiderte Lösungen, die Organisationen nachhaltig erfolgreicher und effizienter machen.”

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