EN 9110

EN 9110

Die EN 9110 ist für MRO- und Instandhaltungsbetriebe relevant, weil sie Qualität, Lufttüchtigkeit und die Chancen auf anspruchsvolle Kundenprojekte direkt beeinflusst. Der Artikel zeigt, für wen die Norm gilt, welche Anforderungen im Betrieb wichtig sind und wie die Zertifizierung Schritt für Schritt abläuft.

EN 9110 – Auf einen Blick

Was ist die EN 9110?

Die DIN EN 9110 ist der Qualitätsmanagementstandard für Wartung, Reparatur und Überholung in der Luftfahrt.

Wer benötigt eine EN 9110 Zertifizierung?

Vor allem MRO- und Luftfahrt-Instandhaltungsbetriebe nutzen sie als Nachweis gegenüber Airlines, OEMs und Auftraggebern.

Welche Anforderungen stellt die EN 9110?

Im Fokus stehen Instandhaltungsplanung, Rückverfolgbarkeit, Lufttüchtigkeit, Human Factors und sichere Freigabeprozesse.

Wie läuft die EN 9110 Zertifizierung ab?

Nach Vorbereitung und interner Prüfung folgen Stage 1 und Stage 2 durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle.

Was ist die DIN EN 9110:2018?

Die DIN EN 9110:2018 ist der Qualitätsmanagementstandard für Organisationen, die Luftfahrzeuge oder Komponenten warten, reparieren und überholen. Als Teil der EN-9100-Normenreihe ergänzt sie die ISO 9001:2015 um Anforderungen speziell für den MRO-Bereich – Maintenance, Repair and Overhaul.

Nach Wartung, Reparatur oder Überholung muss die Lufttüchtigkeit nachvollziehbar erhalten bleiben. Dafür greift die Norm tiefer in Instandhaltungsprozesse ein und behandelt unter anderem Rückverfolgbarkeit, Qualifikation des Wartungspersonals, Human Factors sowie Risiken bei sicherheitskritischen Arbeiten. International findet sich der Standard unter der Bezeichnung AS 9110 wieder. Die einzelnen Abschnitte der Norm konkretisieren die Anforderungen an Prozesse, Personal und Dokumentation.

Wichtig bleibt die Abgrenzung zum Luftfahrtrecht. EN 9110 unterstützt die Einhaltung nationaler und internationaler Luftfahrtgesetze sowie behördlicher Vorgaben für die Luft- und Raumfahrt, ersetzt aber keine erforderliche Zulassung durch zuständige Luftfahrtbehörden wie die EASA.

Beratung zur EN 9110

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EN 9110 für Luftfahrt-Instandhaltungsbetriebe

Relevant ist EN 9110 überall dort, wo ein bereits eingesetztes Produkt der Luftfahrt sicher gewartet und anschließend wieder freigegeben werden muss. Dazu zählen klassische Luftfahrt-Instandhaltungsbetriebe, Component Shops und spezialisierte MRO-Dienstleister mit unterschiedlichen Services rund um Wartung, Reparatur und Überholung..

Typische Einsatzbereiche sind etwa

  • Wartung und Reparatur kompletter Luftfahrzeuge,

  • Überholung von Triebwerken, Fahrwerken oder Bremsen,

  • Instandhaltung von Avionik und weiteren Komponenten,

  • Dienstleistungen für zivile und militärische Luftfahrt.

Auch kaufmännisch gewinnt die EN-9110-Zertifizierung für viele Unternehmen an Bedeutung. Unabhängig von der Größe des Unternehmens setzen Airlines, OEMs und andere Kunden ein branchenspezifisches QMS für bestimmte Aufträge oder die Aufnahme in ihre Supply Chain voraus.

Qualitätsmanagementsysteme: Anforderungen der EN 9110

Für Qualitätsmanagementsysteme in der Instandhaltung setzt die EN 9110 da an, wo Fehler unmittelbar die Lufttüchtigkeit gefährden können. Planung, Teilehistorie, Personal und Freigaben müssen deshalb so gesteuert werden, dass Arbeiten später eindeutig nachvollziehbar bleiben.

Instandhaltungsplanung und Freigabe

Noch bevor an einem Luftfahrzeug oder einer Komponente gearbeitet wird, müssen Umfang, technische Unterlagen und Verantwortlichkeiten feststehen. Maßgeblich sind freigegebene Instandhaltungsdaten in der jeweils gültigen Fassung sowie gesetzliche und behördliche Anforderungen.

Für die Durchführung zählen vor allem

  • Arbeitsunterlagen: Mechaniker arbeiten nach freigegebenen und aktuellen technischen Daten. Eine eindeutige Benennung von Bauteilen und Arbeitsschritten sorgt dafür, dass Vorgaben korrekt zugeordnet und umgesetzt werden können.

  • Qualifikation: Wartungs- und freigabeberechtigtes Personal muss über die erforderliche Fähigkeit und Qualifikation für seine Tätigkeiten verfügen und diese nachweisen können.

  • Freigabe: Nach Abschluss der Arbeiten folgen die vorgesehenen Prüfungen und eine dokumentierte Freigabe durch berechtigtes Personal.

Klare Abläufe helfen zusätzlich, Montage- und Übertragungsfehler im Werkstattalltag frühzeitig zu vermeiden.

Rückverfolgbarkeit und Lufttüchtigkeit

Bei Flugzeugteilen zählt die Historie. Die EN 9110 verlangt eine lückenlose Rückverfolgbarkeit relevanter Bauteile und Materialien, damit Herkunft, Einbau, ausgeführte Arbeiten und Freigaben später überprüft werden können.

Besonders streng wird es bei sicherheitskritischen Komponenten. Fehlende oder zweifelhafte Nachweise können dazu führen, dass ein Teil gesperrt wird. Auch Prozesse zum Umgang mit Suspected Unapproved Parts gehören deshalb zum System. Am Ende dient diese Dokumentationskette einem klaren Ziel – der sicheren Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit.

Human Factors und Produktsicherheit

In der Instandhaltung entsteht ein Fehler selten allein an der Werkbank. Müdigkeit, Zeitdruck, schlechte Übergaben oder missverständliche Arbeitsunterlagen können entscheidend dazu beitragen.

Genau deshalb berücksichtigt die EN 9110 menschliche Faktoren ausdrücklich. Bei relevanten Abweichungen sollte das Fehlermanagement hinter den sichtbaren Bedienfehler schauen und die tatsächlichen Rahmenbedingungen untersuchen. Solche Erkenntnisse fließen anschließend in Arbeitsabläufe, Schulungen und Verbesserungsmaßnahmen ein und stärken damit dauerhaft die Produktsicherheit.

EN 9110 Zertifizierung und Umsetzung

Für Instandhaltungsorganisationen der Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung bietet die EN 9110 eine zertifizierbare Norm. Das Qualitätsmanagementsystem wird von einer akkreditierten Zertifizierungsstelle geprüft. Für das Zertifizierungsaudit gelten die branchenspezifischen Regeln der EN 9101.

Der Weg zum Zertifikat läuft in vier Schritten ab:

  1. Lücken prüfen: Eine GAP-Analyse vergleicht bestehende Prozesse, die im Mittelstand häufig auf Basis der EN ISO 9001 zertifiziert sind, mit den zusätzlichen EN-9110-Anforderungen und zeigt den konkreten Handlungsbedarf

  2. System ergänzen: Fehlende Abläufe zu Human Factors, Rückverfolgbarkeit, Produktsicherheit oder freigegebenen Komponenten werden in den Betrieb integriert.

  3. Auditfähigkeit herstellen: Wartungspersonal wird geschult und qualifiziert. Danach zeigen internes Audit und Managementbewertung, ob die neuen Abläufe im Alltag funktionieren.

  4. Zertifizierung durchlaufen: Im Stage-1-Audit bewertet der Auditor Dokumentation und Auditbereitschaft. Stage 2 prüft anschließend die praktische Umsetzung vor Ort.

Nach erfolgreichem Audit sind zertifizierte Unternehmen in der OASIS-Datenbank gelistet. Die Zertifizierung hat eine Gültigkeit von drei Jahren. Innerhalb dieses Zyklus finden jährliche Überwachungsaudits statt, bevor die Rezertifizierung ansteht.

Für viele Airlines, OEMs und Partner ist die Zertifizierung inzwischen Voraussetzung für Projekte oder neue Aufträge. Gleichzeitig dokumentiert sie hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards, schafft Vertrauen bei Auftraggebern und kann so zur Kundenzufriedenheit beitragen. Standardisierte Prozesse können zudem die Effizienz in der Instandhaltung erhöhen und damit die Wettbewerbsfähigkeit auf globalen Märkten stärken.

Häufige Fragen und Antworten

Die EN ISO 9001 bildet die grundlegende Basis der DIN EN 9110 und liefert viele bereits bekannte Anforderungen an Prozesse, Führung und kontinuierliche Verbesserung. Als Ergänzung kommen für MRO-Betriebe zusätzliche Vorgaben hinzu, die stärker auf Lufttüchtigkeit, Sicherheit und Wartung zugeschnitten sind.

Grundlagen, zentrale Begriffe und Definitionen des Qualitätsmanagements sind in der DIN EN ISO 9000 zusammengefasst. Damit schafft sie ein gemeinsames Verständnis für ISO 9001 und weitere Normen der EN-9100-Reihe.

Je nach Art der Tätigkeit kommen innerhalb der EN-9100-Normenfamilie unterschiedliche Standards zur Absicherung der Qualität infrage. EN 9100 richtet sich vor allem an Hersteller und Entwickler, EN 9110 an MRO-Betriebe und EN 9120 an Händler und Distributoren. Daneben gelten eigene behördliche Zulassungen für die Luftfahrt, etwa nach EASA-Vorgaben.

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Porträt eines lächelnden Mannes im Anzug

Carsten Scheidig

Geschäftsführer  &  Senior Consultant

Carsten Scheidig ist Gründer und Geschäftsführer der CSM Consulting. 
Er absolvierte sein Studium zum Diplom-Wirtschaftspädagogen und Master of Business Administration an Universitäten in München und Konstanz. Er verfügt über langjährige Erfahrung als Berater, Auditor und Trainer für Managementsysteme. Als Lead Trainer der TÜV Süd Akademie führt Carsten Scheidig QM Fachkräfte- und Auditorenseminare durch. Er ist Lead Auditor für die BMW Group und akkreditierter Zertifizierungsauditor für 9001 und 14001.

#Ideengeber
#ZertifizierungNaUnd 

„Zertifizierungen sind kein Hexenwerk. Ich spreche ISO – bin Normenmensch, aber kein Paragraphenreiter. Praxisorientiert, effizient und mit Leidenschaft für Beratung und Schulung. Familie, Freunde, Sport und mein Garten sorgen für den Ausgleich.“ 

Sebastian Jürgel

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Sebastian Jürgel, Senior Consultant bei CSM Consulting

Sebastian Jürgel

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Sebastian Jürgel absolvierte an der Universität der Bundeswehr sein Studium in Bildungsmanagement und Organisationsentwicklung und hat an der Allensbach Hochschule seinen MBA (GM) abgeschlossen. Er verfügt über langjährige Erfahrungen als Leiter für Qualitäts- und Umweltmanagement im Sondermaschinenbau und der Automobilzulieferindustrie sowie bei der Umsetzung von Zertifizierungen im internationalen Umfeld.

#problemlöser
#funktionierenmusses

„CSM ist nicht 9-to-5. CSM ist für den Kunden optimale Ergebnisse zu erzielen. Und nach der Arbeit? Geht es steil bergab, aber nur mit dem Bike auf dem nächsten Trail und mit ausreichend Airtime.“

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Porträt einer lächelnden Frau mit Ohrringen

Nicole Scheidig

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Nicole Scheidig ist Auditorin für Qualitätsmanagementsysteme, Food Safety und Datenschutzauditorin nach den Anforderungen der DSGVO. Durch ihre Arbeit als Trainerin und Beraterin für Implantologie und langjährige Führungskraft im medizinischen Bereich der Bundeswehr verfügt Sie über umfangreiche Erfahrung in der Medizinbranche.

„Qualität bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit klaren Prozessen nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Das macht mir Freude – dafür stehe ich.“

Antje Grimmer

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Antje Grimmer

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Antje Grimmer hat ihre akademischen Abschlüsse in Personalmanagement und Business Administration an verschiedenen Hochschulen erlangt. Ihr Schwerpunkt liegt im Aufbau und der Weiterentwicklung von Managementsystemen für Qualität, Energie und Nachhaltigkeit.

#StructureWithHeart

„Ich liebe es, Struktur mit Empathie zu verbinden – so entstehen Lösungen, die wirklich zu unseren Kunden passen. Privat tanke ich Energie bei Familie, Freunden und Zumba.“

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Junger Mann in Anzug vor grauem Hintergrund

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Tobias Fischer verfügt als technisch versierter Qualitätsingenieur und FMEA-Experte über umfangreiche Erfahrungen in komplexen Entwicklungsprojekten im internationalen Bereich. Sein Schwerpunkt ist die Unterstützung bei der Anwendung der Automotive Core Tools sowie die Durchführung von Audits.

#ILoveFMEAandFriends

“Mit Dynamik, Verstand und Leidenschaft für Qualität entwickle ich praxisnahe und maßgeschneiderte Lösungen, die Organisationen nachhaltig erfolgreicher und effizienter machen.”

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Kapitel 1

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ISO 9001Frage 1 von 26
Was kann nach ISO 9001:2026 zur Kommunikation mit Kunden gehören?
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