ISO 9001 und ISO 27001 setzen bei unterschiedlichen Unternehmensaufgaben an: Qualität steuern und Informationen schützen. Der Vergleich gibt Ihnen einen Überblick über die Unterschiede und zeigt, welche Norm zu Ihrem Bedarf passt.
Was ist der Unterschied zwischen ISO 9001 und ISO 27001?
ISO 9001 legt Anforderungen an das Qualitätsmanagement fest. ISO 27001 regelt, wie Unternehmen Risiken für die Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit ihrer Informationen steuern.
Welche Norm braucht Ihr Unternehmen?
Ersetzt eine Zertifizierung die andere?
Die Zertifikate bestätigen unterschiedliche Managementsysteme. Wer beide Nachweise benötigt, muss die Anforderungen beider Normen im jeweiligen Geltungsbereich erfüllen.
Was lässt sich gemeinsam organisieren?
Dokumentenlenkung, Schulungsplanung, interne Audits und Managementbewertung können zusammengeführt werden. Die fachlichen Inhalte für Qualität und Informationssicherheit müssen dabei vollständig erhalten bleiben.
ISO 9001 richtet ein Unternehmen auf die Erfüllung von Kundenanforderungen aus, ISO 27001 auf den Schutz seiner Informationen. Beide Normen eignen sich für Organisationen jeder Größe und Branche.
Ein Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 verbessert die Prozessqualität von der Auftragsklärung bis zur Leistungserbringung. Produkte und Dienstleistungen sollen Kundenanforderungen sowie anwendbare gesetzliche und behördliche Anforderungen erfüllen. Kundenrückmeldungen unterstützen die Verbesserung. Die Organisation dokumentiert ihre Prozesse im erforderlichen Umfang und legt fest, welche Prozessleistung überwacht oder gemessen wird.
ISO 27001 beschreibt die Anforderungen an ein Informationssicherheitsmanagementsystem, kurz ISMS. Es schützt Informationen auf digitalen Systemen, in Papierunterlagen und im persönlichen Austausch. Die Schutzziele Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit bestimmen, welche Sicherheitsrisiken betrachtet werden.
Vergleichskriterium | ISO 9001 | ISO 27001 |
|---|---|---|
Ziel | Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen zuverlässig erfüllen, Kundenzufriedenheit erhöhen | Informationen vor unbefugtem Zugriff, unerwünschter Veränderung und fehlender Verfügbarkeit schützen |
Managementsystem | Qualitätsmanagementsystem, QMS | |
Beispiel für ein Risiko | Ein Auftrag wird mit falschen Spezifikationen gefertigt | Vertrauliche Konstruktionsdaten gelangen an Unbefugte |
Fachlicher Schwerpunkt | Kundenorientierung, Prozesssteuerung und Verbesserung | Bewertung und Behandlung von Informationssicherheitsrisiken |
Typische Nachweise | Prüfergebnisse, Lieferantenbewertungen, Qualitätsziele | Risikobewertung, Risikobehandlungsplan, Anwendbarkeitserklärung |
Aussage des Zertifikats | Das QMS erfüllt die Normanforderungen im angegebenen Umfang | Das ISMS erfüllt die Normanforderungen im angegebenen Umfang |
CSM Consulting unterstützt Sie dabei, vorhandene Abläufe zu prüfen und die nächsten Schritte für ISO 9001 oder ISO 27001 festzulegen. Klären Sie mit uns, welche Anforderungen Ihr Unternehmen erfüllen und nachweisen soll.






Beide Normen führen zu unterschiedlichen Prüffragen am selben Prozess. Vereinfachtes Beispiel: Ein Fertigungsunternehmen übermittelt einem externen Konstruktionsdienstleister vertrauliche Zeichnungen.
Einkauf und Fachabteilung klären Zeichnungsstand, Toleranzen, Liefertermin und Ergebniskontrolle. Wie werden fehlerhafte Unterlagen korrigiert? Diese Leistungsanforderungen fließen in die Auswahl und Bewertung des Lieferanten ein.
Aus Sicht des ISMS geht es zusätzlich um Zugriff und Weitergabe: Welche Personen dürfen die Dateien erhalten? Wie erfolgt die Übertragung, und wie werden Berechtigungen nach Projektende entzogen? Auch Datenmanipulation und Verlust gehören zur Risikobetrachtung. Eine gemeinsame Freigabe verbindet fachliche Abnahme, Sicherheitsanforderungen und dokumentierte Zugriffsrechte.
ISO 27001 verlangt insbesondere eine dokumentierte Informationssicherheitsrisikobewertung, eine darauf aufbauende Risikobehandlung und eine Anwendbarkeitserklärung. Beim Risikomanagement behandelt Abschnitt 6.1, auch Klausel 6.1 genannt, in beiden Normen Risiken und Chancen. ISO 27001 verlangt eine tiefere Risikoanalyse als ISO 9001.
Bei ISO 9001 betreffen Risiken etwa Produktqualität, Lieferfähigkeit und Kundenzufriedenheit. ISO 9001:2015 schreibt dafür kein bestimmtes Risikoregister oder formales Risikomanagementverfahren vor. Der risikobasierte Ansatz lässt sich passend zu den Prozessen gestalten.
Bei der Risikobewertung nach ISO 27001 werden Kriterien für die Bewertung und Akzeptanz von Informationssicherheitsrisiken festgelegt. Dabei werden mögliche Folgen und Eintrittswahrscheinlichkeiten untersucht und Risikoeigentümer bestimmt. Die dokumentierte Methode muss vergleichbare Ergebnisse ermöglichen.
Die ISO 27001 verlangt eine Anwendbarkeitserklärung, englisch Statement of Applicability oder SoA, für die 93 Controls aus Anhang A. Sie dokumentiert notwendige Sicherheitsmaßnahmen, ihre Auswahlgründe und den Umsetzungsstand. Die Anwendbarkeitserklärung zeigt, welche der 93 Controls aus Anhang anwendbar sind, und begründet Ausschlüsse.
ISO 9001 hat keine vorformulierte Controls-Liste und kennt daher kein entsprechendes Dokument. Die 93 Referenzmaßnahmen aus Anhang A der ISO/IEC 27001:2022 dienen dem Vollständigkeitsabgleich. Weitere Maßnahmen können sich aus Risiken und Anforderungen ergeben. Zu den Themen gehören Zugriffskontrollen und Notfallvorsorge: etwa der Schutz von Daten vor unbefugten Zugriffen und die Aufrechterhaltung der Informationssicherheit bei Betriebsunterbrechungen.
Beginnen Sie mit der Norm, die Ihren dringlichsten Kunden- oder Handlungsbedarf abdeckt. Ein gefordertes Zertifikat oder konkrete betriebliche Probleme bestimmen die Priorisierung.
ISO 9001 zuerst: Reklamationen, unklare Übergaben oder schwankende Ergebnisse zeigen Handlungsbedarf. Auch eine geforderte QM-Zertifizierung spricht dafür.
ISO 27001 zuerst: Geschäftsgeheimnisse, Kundendaten oder betriebskritische Informationen benötigen Schutz. Ein geforderter ISMS-Nachweis kann die Reihenfolge bestimmen.
Beide gemeinsam planen: Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen betreffen dieselben Leistungen, und für beide Systeme stehen Verantwortliche sowie Ressourcen bereit. Dann können Sie gemeinsame Abläufe bereits beim Aufbau berücksichtigen.
ISO 27001 ist für Technologie- und Finanzunternehmen besonders relevant, weil sie häufig sensible oder geschäftskritische Daten verarbeiten. Auch Produktionsbetriebe können vertrauliche Entwicklungsdaten schützen müssen. Ein IT-Dienstleister benötigt möglicherweise ISO 9001 für seine Serviceprozesse. Eine GAP-Analyse zeigt, welche Anforderungen bereits erfüllt sind und welche Arbeit bis zum gewünschten Nachweis fehlt.
ISO 27001 und ISO 9001 können als integriertes Managementsystem (IMS) aufgebaut und gemeinsame Abläufe zusammengeführt werden. Die Integration bietet Vorteile bei Dokumentation, Schulungen und Überprüfungen. Durch die Kombination müssen bestehende Abläufe nicht vollständig neu organisiert werden.
Beide Standards nutzen die High Level Structure mit zehn Kapiteln, übernommen mit ISO 9001:2015 und ISO/IEC 27001:2013. Die Kapitel 4 bis 10 behandeln Kontext, Führung, Planung, Unterstützung, Betrieb, Leistungsbewertung und Verbesserung. Strukturelle Überschneidungen ermöglichen Synergien, etwa bei der Prüfung von Erwartungen relevanter Stakeholder, die fachlichen Anforderungen unterscheiden sich.
Die Übersicht dient als Fahrplan für Ergänzungen zum ISMS:
Vorhandener QM-Ablauf | Ergänzung für das ISMS | Ergebnis der gemeinsamen Umsetzung |
|---|---|---|
Dokumente prüfen, freigeben und versionieren | Daten klassifizieren und Zugriffsrechte berücksichtigen | Gesteuerte Dokumente mit passendem Zugriffsschutz |
Lieferanten auswählen und bewerten | Informationszugriffe und Sicherheitsanforderungen einbeziehen | Gemeinsame Lieferantenfreigabe mit Qualitäts- und Sicherheitskriterien |
Schulungsbedarf planen | Sicherheitsaufgaben und erforderliches Bewusstsein ergänzen | Gemeinsamer Schulungsplan mit getrennt nachvollziehbaren Lernzielen |
Interne Audits planen | ISMS-Prüfkriterien und passende Auditorenkompetenz ergänzen | Auditprogramm, das beide Normen abdeckt |
Managementbewertung vorbereiten | ISMS-Ergebnisse, Risiken und notwendige Entscheidungen aufnehmen | Gemeinsame Bewertung durch die Leitung |
Für interne Audits bedeutet das: Der Einkauf lässt sich in einem Termin prüfen, wenn Qualität und Informationssicherheit fachlich abgedeckt werden. Feststellungen müssen den jeweiligen Normanforderungen zugeordnet werden können. Ein Auditor muss für die jeweils geprüften Anforderungen kompetent sein. Die gemeinsame Planung verbessert die Effizienz, während die Prüftiefe erhalten bleibt.
Auch ein gemeinsames Management Review, die Managementbewertung, ist möglich. Die Leitung bewertet beide Systeme und trifft gemeinsame Entscheidungen über Verbesserungen und Ressourcen.
Beide Standards nutzen den PDCA-Zyklus zur kontinuierlichen Verbesserung: Prozesse planen, umsetzen, Ergebnisse bewerten und nachsteuern. Zeigt sich eine Nichtkonformität, werden Ursachen und geeignete Korrekturmaßnahmen bearbeitet. Diese Rückkopplungsschleifen verbessern Prozesse in beiden Systemen. Prüfen Sie den Erfolg anhand geeigneter Kennzahlen, etwa Reklamationen im QMS und der Wirksamkeit von Sicherheitsmaßnahmen im ISMS.
Bei der Zertifizierung müssen Norm, Geltungsbereich und tatsächliche Leistung zusammenpassen. Der Anwendungsbereich, auch Geltungsbereich oder Scope genannt, legt fest, welche Tätigkeiten und organisatorischen Grenzen das Managementsystem umfasst. Ein QMS kann Entwicklung und Produktion umfassen, das ISMS nur einen Service. Das ISMS-Zertifikat deckt dann die übrigen Bereiche nicht ab. Relevante Schnittstellen ausgelagerter Tätigkeiten sind zu berücksichtigen.
Normstand am 16. September 2026: ISO 9001:2026 ist veröffentlicht und ersetzt ISO 9001:2015. ISO/IEC 27001:2022 einschließlich der Klimaergänzung von 2024 bleibt die Vergleichsnorm für Informationssicherheit. Für bestehende Zertifizierungen sind die jeweiligen Übergangsregeln zu beachten. Mehr dazu unter ISO-9001-Revision.
ISO 27001 setzt kein bestehendes Qualitätsmanagementsystem voraus. Beide Standards können in der für das Unternehmen passenden Reihenfolge eingeführt werden. Eine gemeinsame Einführung kann sinnvoll sein, wenn sich Anforderungen, Prozesse und dokumentierte Informationen überschneiden.
Eine gemeinsame Auditierung ist möglich, wenn die Zertifizierungsstelle sie entsprechend plant und die erforderliche Kompetenz abdeckt. Dabei wird die Erfüllung beider Normen geprüft. Der Aufwand hängt unter anderem vom Geltungsbereich und vom Integrationsgrad ab.
Die Zertifikate beziehen sich auf das jeweilige Managementsystem innerhalb seines Geltungsbereichs. Sie können das Vertrauen von Kunden in geregelte Abläufe stärken. Als Managementsystemnachweise garantieren sie weder fehlerfreie Produkte noch den vollständigen Ausschluss von Sicherheitsvorfällen.
Ein integriertes Managementsystem kann zusätzlich Umweltmanagement nach ISO 14001 und Arbeitsschutzmanagement nach ISO 45001 umfassen. Gemeinsame Abläufe für Dokumentation, Audits und Managementbewertung sind nutzbar. ISO 9001 erfordert die Dokumentation und Messung aller wertschöpfenden Prozesse. Die jeweiligen fachlichen Anforderungen und Verantwortlichkeiten müssen Sie ergänzen.
Sie möchten sich über ISO-Normen informieren? Wir beraten Sie gerne.
Wir sind das Team hinter CSM Consulting

Carsten Scheidig
Geschäftsführer & Senior Consultant
Carsten Scheidig ist Gründer und Geschäftsführer der CSM Consulting. Er absolvierte sein Studium zum Diplom-Wirtschaftspädagogen und Master of Business Administration an Universitäten in München und Konstanz. Er verfügt über langjährige Erfahrung als Berater, Auditor und Trainer für Managementsysteme. Als Lead Trainer der TÜV Süd Akademie führt Carsten Scheidig QM Fachkräfte- und Auditorenseminare durch. Er ist Lead Auditor für die BMW Group und akkreditierter Zertifizierungsauditor für 9001 und 14001.
#Ideengeber
#ZertifizierungNaUnd
„Zertifizierungen sind kein Hexenwerk. Ich spreche ISO – bin Normenmensch, aber kein Paragraphenreiter. Praxisorientiert, effizient und mit Leidenschaft für Beratung und Schulung. Familie, Freunde, Sport und mein Garten sorgen für den Ausgleich.“
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Sebastian Jürgel
Senior Consultant
Sebastian Jürgel absolvierte an der Universität der Bundeswehr sein Studium in Bildungsmanagement und Organisationsentwicklung und hat an der Allensbach Hochschule seinen MBA (GM) abgeschlossen. Er verfügt über langjährige Erfahrungen als Leiter für Qualitäts- und Umweltmanagement im Sondermaschinenbau und der Automobilzulieferindustrie sowie bei der Umsetzung von Zertifizierungen im internationalen Umfeld.
#problemlöser
#funktionierenmusses
„CSM ist nicht 9-to-5. CSM ist für den Kunden optimale Ergebnisse zu erzielen. Und nach der Arbeit? Geht es steil bergab, aber nur mit dem Bike auf dem nächsten Trail und mit ausreichend Airtime.“
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Nicole Scheidig
Senior Consultant
Nicole Scheidig ist Auditorin für Qualitätsmanagementsysteme, Food Safety und Datenschutzauditorin nach den Anforderungen der DSGVO. Durch ihre Arbeit als Trainerin und Beraterin für Implantologie und langjährige Führungskraft im medizinischen Bereich der Bundeswehr verfügt Sie über umfangreiche Erfahrung in der Medizinbranche.
„Qualität bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit klaren Prozessen nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Das macht mir Freude – dafür stehe ich.“
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Antje Grimmer
Senior Consultant
Antje Grimmer hat ihre akademischen Abschlüsse in Personalmanagement und Business Administration an verschiedenen Hochschulen erlangt. Ihr Schwerpunkt liegt im Aufbau und der Weiterentwicklung von Managementsystemen für Qualität, Energie und Nachhaltigkeit.
#StructureWithHeart
„Ich liebe es, Struktur mit Empathie zu verbinden – so entstehen Lösungen, die wirklich zu unseren Kunden passen. Privat tanke ich Energie bei Familie, Freunden und Zumba.“
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Tobias Fischer
Senior Consultant
Tobias Fischer verfügt als technisch versierter Qualitätsingenieur und FMEA-Experte über umfangreiche Erfahrungen in komplexen Entwicklungsprojekten im internationalen Bereich. Sein Schwerpunkt ist die Unterstützung bei der Anwendung der Automotive Core Tools sowie die Durchführung von Audits.
#ILoveFMEAandFriends
“Mit Dynamik, Verstand und Leidenschaft für Qualität entwickle ich praxisnahe und maßgeschneiderte Lösungen, die Organisationen nachhaltig erfolgreicher und effizienter machen.”
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