ISO 5817

ISO 5817: Bewertungsgruppen und Anforderungen für Schweißnähte

Die ISO 5817 legt fest, wie Unregelmäßigkeiten an Schweißnähten bewertet werden und welche Qualitätsanforderungen je nach Einsatzfall gelten. Sie schafft damit eine einheitliche Grundlage, um Schweißverbindungen nachvollziehbar zu beurteilen.

ISO 5817 – Auf einen Blick

Was regelt die ISO 5817?

Die ISO 5817 regelt die Bewertung von Unregelmäßigkeiten an Schmelzschweißverbindungen und legt fest, welche Abweichungen je nach Bewertungsgruppe zulässig sind.

Wie wird die Qualität nach ISO 5817 eingestuft?

Qualität wird in die Bewertungsgruppen B, C und D eingeteilt, die unterschiedliche Anforderungen an die Fertigungsqualität von Schweißnähten definieren.

Wofür wird die ISO 5817 in der Praxis genutzt?

In der Praxis dient die ISO-Norm als Maßstab, um Schweißnähte zu prüfen, Unregelmäßigkeiten einzuordnen und die Einhaltung definierter Qualitätsanforderungen nachvollziehbar zu bewerten.

Warum ist die ISO 5817 für Unternehmen relevant?

Die Norm schafft eine einheitliche Grundlage für Qualitätssicherung, erleichtert die Bewertung von Schweißverbindungen und unterstützt nachvollziehbare Entscheidungen im Qualitätsmanagement bei Prüfung, Freigabe und Nacharbeit.

Definition: Was ist die DIN EN ISO 5817:2023?

Die DIN EN ISO 5817:2023 ist ein zentrales Dokument zur Bewertung von Unregelmäßigkeiten an Schmelzschweißverbindungen. Die aktuelle DIN EN ISO 5817:2023-07 umfasst in der deutschen Fassung insgesamt 42 Seiten. Sie legt die Bewertungsgruppen B, C und D fest und definiert, welche Abweichungen an einer Schweißnaht je nach Anforderungsniveau zulässig sind.

Im Kern schafft die ISO-Norm damit einen einheitlichen Maßstab für die Beurteilung der Fertigungsqualität von Schweißverbindungen. Nicht das Verfahren oder das Schweißgut selbst steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie Schweißnähte anhand klarer Kriterien bewertet werden.

Die Norm ist eng mit der internationalen Normungsarbeit von ISO/TC 44 und SC 10 verbunden und wird in vielen Unternehmen genutzt, um Anforderungen an Schweißnähte, welded joints und Schweißverbindungen in technischen Unterlagen eindeutig zu beschreiben.

Für welche Schweißverbindungen gilt die ISO 5817?

Die DIN EN ISO 5817 ist die europäische Referenznorm und gilt für Schmelzschweißverbindungen an Stahl, Nickel, Titan und deren Legierungen. Ausgenommen ist Strahlschweißen; dafür gibt es mit der ISO 13919-1 eine eigene ISO-Norm für das Elektronenstrahl- und Laserstrahlschweißen.

Der Anwendungsbereich umfasst insbesondere:

 

  • voll durchgeschweißte, stumpf ausgeführte Nähte

  • alle Arten von Kehlnähten

  • Werkstückdicken größer als 0,5 mm

  • manuelles, mechanisiertes und automatisches Schweißen

  • Stahl, Nickel, Titan und deren Legierungen

 

Nicht erfasst werden dagegen metallurgische Eigenschaften wie Härte oder Korngröße. Zusätzliche Leitlinien für Ermüdungsbeanspruchungen enthält Anhang B.

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Die drei Bewertungsgruppen der ISO 5817

Innerhalb der ISO 5817 werden drei Bewertungsgruppen unterschieden: B, C und D. Sie legen fest, wie streng Unregelmäßigkeiten an Schmelzschweißverbindungen beurteilt und welche Anforderungen an die Ausführung einer Schweißnaht gestellt werden.

Wichtig ist dabei, dass sich die Bewertungsgruppen auf die Fertigungsqualität beziehen und nicht automatisch auf die Gebrauchstauglichkeit des Bauteils. Ob dieses Bauteil später unter realen Belastungen geeignet ist, hängt nicht alleine davon ab.

Bewertungsgruppe B

Bewertungsgruppe B kennzeichnet das höchste Anforderungsniveau innerhalb der ISO-Norm. Zulässige Unregelmäßigkeiten sind hier nur in geringem Umfang erlaubt. In der Praxis wird B dort relevant, wo eine besonders hohe Fertigungsqualität gefordert ist, etwa im Stahlbau, Druckbehälterbau, bei anspruchsvollen Verfahrensprüfungen oder bei speziellen Vorgaben wie der IATF 16949.

Bewertungsgruppe C

Bewertungsgruppe C beschreibt ein mittleres Anforderungsniveau. Sie bildet in vielen Fällen einen praxistauglichen Standard im industriellen Umfeld.

Die zulässigen Abweichungen sind weniger streng als bei Bewertungsgruppe B, bleiben aber klar begrenzt. Gerade im allgemeinen Maschinenbau oder in typischen Fertigungsumgebungen ist diese Einstufung oft naheliegend.

 

Bewertungsgruppe D

Bewertungsgruppe D steht für ein niedrigeres Anforderungsniveau mit größeren zulässigen Abweichungen. Bei bestimmten Unregelmäßigkeiten gelten hier größere Toleranzen.

Das bedeutet nicht, dass die Qualität beliebig wird. Im Vergleich zu B und C lässt diese Gruppe jedoch mehr Spielraum bei der Bewertung von Abweichungen an Schmelzschweißverbindungen. Sie kommt dort in Betracht, wo die Anforderungen an die Fertigungsqualität niedriger angesetzt sind.

Welche Unregelmäßigkeiten bewertet die EN ISO 5817?

Bewertet werden Unregelmäßigkeiten an Schmelzschweißverbindungen, für die die Norm je nach Bewertungsgruppe zulässige Grenzwerte festlegt. Einen kompakten Überblick über typische Anforderungen und zulässige Abweichungen gibt dabei Tabelle 1 der ISO 5817.

 

In der Praxis lassen sich die bewerteten Unregelmäßigkeiten grob drei Bereichen zuordnen:

  • Oberflächenunregelmäßigkeiten: Dazu gehören etwa Risse, Einbrandkerben, Überlappungen oder offene Poren an der Oberfläche der Naht.

  • Innere Unregelmäßigkeiten: Gemeint sind zum Beispiel Poren, Einschlüsse, Bindefehler oder ungenügende Durchschweißung innerhalb der Verbindung.

  • Form- und Maßabweichungen: Hier geht es um die geometrische Ausführung der Naht, etwa bei Nahtdicke, Nahtform oder Abweichungen an Kehlnähten und Stumpfnähten.

Wie wird die ISO 5817 in der Praxis angewendet?

In der Praxis wird die DIN EN ISO 5817 als Maßstab für die Bewertung von Schweißnähten genutzt. Sie hilft dabei, Unregelmäßigkeiten an Schmelzschweißverbindungen einzuordnen und festzustellen, ob die geforderte Bewertungsgruppe erreicht ist.

1. Bewertungsgruppe festlegen

Am Anfang steht die Festlegung der Bewertungsgruppe. Sie bestimmt, wie streng eine Schweißnaht später bewertet wird.

Diese Entscheidung fällt in der Regel vor dem Schweißen, orientiert sich an den Anforderungen an das Bauteil und folgt idealerweise einem risikobasierten Ansatz. Bewertungsgruppe B steht für hohe Anforderungen, C für mittlere und D für geringere Anforderungen.

2. Schweißnaht prüfen

Nach dem Schweißen wird die Naht geprüft. Die ISO 5817 definiert dabei die Kriterien für die Bewertung und gibt wichtige Hinweise für die Einordnung, während das eigentliche Prüfverfahren separat festgelegt wird.

In der Praxis beginnt das häufig mit der Sichtprüfung. Je nach Anforderung können ergänzend weitere Prüfverfahren hinzukommen, um auch innere Unregelmäßigkeiten an der Verbindung zu erfassen.

3. Unregelmäßigkeiten mit der Norm abgleichen

Im nächsten Schritt werden festgestellte Abweichungen mit den Grenzwerten der Norm verglichen. Jetzt zeigt sich, ob eine Naht die Anforderungen der gewählten Bewertungsgruppe erfüllt.

Entscheidend für die Bewertung sind Art, Ausmaß, Position und Anzahl der Unregelmäßigkeiten. Je nach Werkstückdicke, Nahtform oder Ausführung können die zulässigen Werte unterschiedlich ausfallen.

4. Ergebnis dokumentieren

Am Ende wird das Ergebnis der Bewertung dokumentiert. Festgehalten wird, ob die geprüfte Schweißnaht die Anforderungen erfüllt oder ob Nichtkonformitäten vorliegen, die Nacharbeit, zusätzliche Prüfung oder Maßnahmen im Fehlermanagement erforderlich machen.

In der Praxis geschieht das meist über ein Prüfprotokoll oder eine Verfahrensanweisung. Darin werden die geprüfte Verbindung, festgestellte Unregelmäßigkeiten, die zugrunde gelegte Bewertungsgruppe und das Ergebnis der Beurteilung nachvollziehbar erfasst.

In vielen Unternehmen wird die Anwendung der ISO 5817 dabei durch Qualitätsfachkräfte, Qualitätsbeauftragte oder Qualitätsauditoren begleitet. Sie sorgen dafür, dass Anforderungen, Prüfprozesse und Bewertungen im Qualitätsmanagement systematisch umgesetzt werden.

Die Vorteile der ISO 5817

Die DIN EN ISO 5817 schafft einen einheitlichen Maßstab für die Bewertung von Schmelzschweißverbindungen.

 

Vorteile der Norm im Überblick:

 

  • Klare Bewertung statt Bauchgefühl: Die ISO-Norm arbeitet mit definierten Grenzwerten und macht die Beurteilung von Schweißnähten objektiver.

  • Wirtschaftlichere Fertigung: Durch die Bewertungsgruppen B, C und D lässt sich das geforderte Qualitätsniveau passend zum Einsatzfall festlegen.

  • Bessere Grundlage für Entscheidungen: Die Norm zeigt, wann eine Naht zulässig ist und wann Nacharbeit oder weitere Prüfung erforderlich wird.

  • Nachvollziehbare Qualitätssicherung: Die Bewertung lässt sich dokumentieren und schafft damit ein belastbares Fundament für Prüfung, Freigabe und ein konsistentes Qualitätsmanagement.

Häufige Fragen und Antworten

Ja, die ISO 5817 gilt für Schmelzschweißverbindungen an Stahl (steel), Nickel (nickel), Titan (titanium) und deren Legierungen. Sie erfasst dabei verschiedene Schweißverfahren und unterschiedliche Sorten dieser Werkstoffe, sofern es sich nicht um Strahlschweißen handelt.

Ja, genau darauf bezieht sich der Anwendungsbereich der Norm. Die aktuelle Fassung der ISO 5817 gilt für Schmelzschweißverbindungen an den genannten Werkstoffen und Legierungen, schließt Strahlschweißen jedoch ausdrücklich aus.

Mit „Legierungen ohne Strahlschweißen“ ist gemeint, dass die Norm für geschweißte Verbindungen an diesen Werkstoffen gilt, bestimmte Verfahren jedoch nicht erfasst. Die Bewertungsgruppen mit den Kennbuchstaben B, C und D legen fest, wie streng Unregelmäßigkeiten an einer Schweißnaht beurteilt werden.

Wer nach Strahlschweißen Bewertungsgruppen von Unregelmäßigkeiten sucht, muss zwischen beiden Normen unterscheiden. Die ISO 5817 gilt für Schmelzschweißverbindungen an Stahl, Nickel, Titan und deren Legierungen, soweit es sich nicht um Strahlschweißen handelt. Die ISO 13919-1:2020 regelt dagegen die Bewertung von Unregelmäßigkeiten bei schweißtechnischen Verbindungen aus dem Elektronenstrahl- und Laserstrahlschweißen.

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Carsten Scheidig ist Gründer und Geschäftsführer der CSM Consulting. 
Er absolvierte sein Studium zum Diplom-Wirtschaftspädagogen und Master of Business Administration an Universitäten in München und Konstanz. Er verfügt über langjährige Erfahrung als Berater, Auditor und Trainer für Managementsysteme. Als Lead Trainer der TÜV Süd Akademie führt Carsten Scheidig QM Fachkräfte- und Auditorenseminare durch. Er ist Lead Auditor für die BMW Group und akkreditierter Zertifizierungsauditor für 9001 und 14001.

#Ideengeber
#ZertifizierungNaUnd 

„Zertifizierungen sind kein Hexenwerk. Ich spreche ISO – bin Normenmensch, aber kein Paragraphenreiter. Praxisorientiert, effizient und mit Leidenschaft für Beratung und Schulung. Familie, Freunde, Sport und mein Garten sorgen für den Ausgleich.“ 

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Sebastian Jürgel absolvierte an der Universität der Bundeswehr sein Studium in Bildungsmanagement und Organisationsentwicklung und hat an der Allensbach Hochschule seinen MBA (GM) abgeschlossen. Er verfügt über langjährige Erfahrungen als Leiter für Qualitäts- und Umweltmanagement im Sondermaschinenbau und der Automobilzulieferindustrie sowie bei der Umsetzung von Zertifizierungen im internationalen Umfeld.

#problemlöser
#funktionierenmusses

„CSM ist nicht 9-to-5. CSM ist für den Kunden optimale Ergebnisse zu erzielen. Und nach der Arbeit? Geht es steil bergab, aber nur mit dem Bike auf dem nächsten Trail und mit ausreichend Airtime.“

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Nicole Scheidig ist Auditorin für Qualitätsmanagementsysteme, Food Safety und Datenschutzauditorin nach den Anforderungen der DSGVO. Durch ihre Arbeit als Trainerin und Beraterin für Implantologie und langjährige Führungskraft im medizinischen Bereich der Bundeswehr verfügt Sie über umfangreiche Erfahrung in der Medizinbranche.

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Tobias Fischer verfügt als technisch versierter Qualitätsingenieur und FMEA-Experte über umfangreiche Erfahrungen in komplexen Entwicklungsprojekten im internationalen Bereich. Sein Schwerpunkt ist die Unterstützung bei der Anwendung der Automotive Core Tools sowie die Durchführung von Audits.

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