Die ISO 19600 war ein internationaler Leitfaden für Compliance-Management-Systeme und ist heute vor allem als Vorgänger der ISO 37301 relevant. Für Unternehmen und Compliance-Verantwortliche mit einem bestehenden CMS erklärt der Artikel, welche Inhalte die frühere Norm prägten und wie der Wechsel auf ISO 37301 gelingt.
Was war ISO 19600?
Die 2014 veröffentlichte ISO-Norm war ein internationaler Leitfaden für den Aufbau und die Weiterentwicklung von Compliance-Management-Systemen.
Welche Inhalte prägten ISO 19600?
Risikobewertung, klare Verantwortlichkeiten, Richtlinien, Kommunikation sowie die regelmäßige Überwachung des CMS gehörten zu den wichtigsten Themen.
Wer konnte ISO 19600 anwenden?
Unternehmen und Organisationen jeder Größe konnten die Leitlinie an ihre Struktur, Tätigkeit und Risikolage anpassen.
Warum gilt ISO 19600 heute nicht mehr?
Der Standard wurde 2021 zurückgezogen und durch die zertifizierbare ISO 37301 ersetzt.
Wie gelingt der Wechsel auf ISO 37301?
Bestehende Prozesse und Richtlinien können häufig übernommen, per GAP-Analyse geprüft und gezielt um neue Anforderungen ergänzt werden.
Mit der ISO 19600:2014 gab es erstmals einen internationalen Leitfaden für Compliance-Management-Systeme. Für Unternehmen heute wichtig: Die Norm ist zurückgezogen und wurde im April 2021 durch ISO 37301 ersetzt. Wer sich aktuell an einem internationalen ISO-Standard für Compliance-Management orientiert, arbeitet daher mit dem Nachfolger ISO 37301.
Der offizielle Titel lautete „Compliance management systems – Guidelines“. Die ISO 19600:2014 brachte Verpflichtungen, Risiken, Verantwortlichkeiten und interne Vorgaben in einem gemeinsamen CMS zusammen. Für den Einsatz in unterschiedlich großen Organisationen ließ die Leitlinie bei Größe, Struktur und Komplexität viel Spielraum.
Eine Zertifizierung nach ISO 19600 war allerdings nicht vorgesehen. Sie enthielt Empfehlungen, während die heutige ISO 37301 konkrete Anforderungen an ein zertifizierbares Compliance-Management-System stellt.
Die Leitlinie sollte dabei helfen, Compliance-Risiken früher zu erkennen, Verantwortlichkeiten sauber zu verteilen und Regelverstöße möglichst zu vermeiden. Dafür wurde Compliance eng mit dem allgemeinen Risikomanagement verbunden.
Wichtige Bausteine waren:
Verpflichtungen kennen: Gesetze, Vorgaben und interne Regeln sollten erfasst und berücksichtigt werden.
Risiken bewerten: Compliance-Risiken wurden identifiziert, gewichtet und priorisiert.
Verantwortung klären: Führungskräfte und zuständige Funktionen brauchten klare Aufgaben und Berichtswege.
Verhalten prägen: Werte, Integrität und regelkonformes Verhalten sollten im Arbeitsalltag sichtbar werden.
System verbessern: Prüfungen und der PDCA-Zyklus halfen dabei, das CMS regelmäßig weiterzuentwickeln.
Der Gedanke dahinter war einfach: Regeln allein reichen wenig, wenn sie im Unternehmen niemand kennt oder anwendet. Ein wirksames Compliance-Management-System sollte zugleich Risiken für Haftung und Reputation begrenzen.
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ISO 19600 setzte vor allem auf einen risikobasierten Ansatz. Compliance sollte dabei fest in bestehende Prozesse eingebunden werden, mit klaren Verantwortlichkeiten, geeigneten Kontrollen und einer regelmäßigen Überprüfung der Wirksamkeit.
Ein wichtiger Baustein war die systematische Bewertung von Compliance-Risiken. Sie wurden als eigene Kategorie von Unternehmensrisiken betrachtet und entsprechend in das Risikomanagement einbezogen. Mögliche Verstöße wurden erfasst, nach Eintrittswahrscheinlichkeit und möglicher Auswirkung bewertet und anschließend priorisiert. So ließ sich besser erkennen, wo konkrete Maßnahmen nötig waren und welche Bereiche stärker überwacht werden mussten.
Nach ISO 19600 sollte Compliance von der Unternehmensführung sichtbar unterstützt werden. Klare Rollen und Zuständigkeiten gehörten deshalb zu den Grundgedanken der damaligen Leitlinie. Dazu zählten Aufgaben der Führung, Verantwortlichkeiten im CMS und je nach Organisation auch eine eigene Compliance-Funktion oder ein Compliance-Officer.
Aus den bewerteten Risiken sollten passende Regeln und Kontrollen entstehen.
Wichtige Elemente waren:
Richtlinien: klare Vorgaben für relevante Compliance-Themen
Kontrollen: Freigaben und Prüfmechanismen für sensible Bereiche
Schulungen: Mitarbeiter sollten die für sie wichtigen Regeln kennen
Kommunikation: Zuständigkeiten, Meldewege und Verhalten bei möglichen Verstößen sollten verständlich vermittelt werden
ISO 19600 sah eine regelmäßige Überprüfung und Weiterentwicklung des CMS vor. Dazu gehörten unter anderem Monitoring, Compliance-Audits und die Bewertung der Wirksamkeit bestehender Maßnahmen.
Erkannte Schwachstellen oder Verstöße sollten zu Anpassungen führen. Der zugrunde liegende Gedanke folgte dem Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung, damit das System mit neuen Risiken, Vorgaben und Veränderungen im Unternehmen Schritt halten konnte.
Der wichtigste Unterschied liegt im Charakter der beiden Standards. ISO 19600 war eine nicht zertifizierbare Leitlinie, ISO 37301 enthält konkrete Anforderungen und kann durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle zertifiziert werden.
Merkmal | ISO 19600 | ISO 37301 |
|---|---|---|
Veröffentlichung | 2014 | April 2021 |
Status | zurückgezogen | aktueller Standard |
Normtyp | Typ B | Typ A |
Inhalt | Empfehlungen und Leitlinien | konkrete Anforderungen |
Formulierungen | Empfehlungen mit „sollte“ | Anforderungen mit „muss“ |
Zertifizierung | nicht vorgesehen | Zertifizierung durch Dritte möglich |
Schwerpunkt | Aufbau und Weiterentwicklung eines CMS | wirksames und prüfbares Compliance-Management-System |
Viele Grundgedanken der ISO 19600, etwa Risikoorientierung, klare Verantwortlichkeiten, Compliance-Kultur und kontinuierliche Verbesserung, wurden in ISO 37301 übernommen.
ISO 19600 bot Unternehmen einen international anerkannten Leitfaden für Compliance-Management, eine reguläre Zertifizierung war damit jedoch nicht möglich. Mit ISO 37301 kam 2021 ein zertifizierbarer Typ-A-Standard mit konkreten und prüfbaren Kriterien hinzu.
Der Titel der ISO 37301:2021 ergänzt „Requirements with guidance for use“: Anforderungen mit Anwendungshinweisen. Viele bekannte Prinzipien blieben erhalten, neu war vor allem der klare Anforderungscharakter. Dadurch lässt sich heute unabhängig prüfen, ob ein Compliance-Management-System die Vorgaben der ISO 37301 erfüllt.
Ein bestehendes CMS nach ISO 19600 muss für den Wechsel nicht komplett neu aufgebaut werden. Viele Richtlinien, Verantwortlichkeiten, Risikoanalysen und Prozesse lassen sich weiterverwenden und gezielt ergänzen.
Der Umstieg kann in vier Schritten erfolgen:
GAP-Analyse durchführen: Bestehende Strukturen mit den Anforderungen der ISO 37301 abgleichen und offene Punkte erfassen.
Prozesse und Nachweise ergänzen: Fehlende Vorgaben, Rollen, Kontrollen oder Dokumentationen gezielt nachziehen.
CMS intern prüfen: Mit internem Audit und Managementbewertung kontrollieren, ob die neuen Vorgaben im Alltag funktionieren.
Zertifizierung vorbereiten: Erkannte Abweichungen bearbeiten und das System auf das externe Zertifizierungsaudit ausrichten.
Bereits geleistete Arbeit bleibt nutzbar. Wie viel Aufwand die Umstellung spart, hängt von Qualität und Aktualität des vorhandenen CMS ab. Eine ISO 37301-Beratung kann die Umstellung zusätzlich beschleunigen und Doppelarbeit vermeiden.
Prüfen Sie im Team für jeden vorhandenen Prozess: Ist die Verpflichtung noch aktuell, gibt es einen Verantwortlichen und liegt ein Nachweis der Umsetzung vor? Eine Schulungsrichtlinie lässt sich beispielsweise weiterverwenden. Ergänzend sollten Sie prüfen, ob Inhalte und Zielgruppen noch passen und wie Sie den Lernerfolg bewerten.
Ordnen Sie vorhandene Dokumente den heutigen Anforderungen zu. So wird aus der alten Dokumentation eine belastbare Grundlage für das Compliance-Management-System nach ISO 37301.
Nein, ISO 19600 wurde 2021 zurückgezogen und durch ISO 37301 ersetzt. Die frühere Version dient heute höchstens noch als historische Basis für bestehende Compliance-Strukturen.
Eine reguläre ISO-Zertifizierung nach ISO 19600 war nie vorgesehen, weil die Norm als Leitlinie mit Empfehlungen aufgebaut war. Wer heute ein zertifizierbares Compliance-Management-System anstrebt, orientiert sich an ISO 37301.
ISO 19600 gab vor allem Empfehlungen für den Aufbau und die Entwicklung eines CMS. ISO 37301 enthält dagegen konkrete Anforderungen und schafft damit die Grundlage für eine unabhängige Zertifizierung. Viele Prinzipien wie Risikoorientierung, Governance und kontinuierliche Verbesserung wurden dabei übernommen.
Sie möchten sich über ISO-Normen informieren? Wir beraten Sie gerne.
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Carsten Scheidig
Geschäftsführer & Senior Consultant
Carsten Scheidig ist Gründer und Geschäftsführer der CSM Consulting. Er absolvierte sein Studium zum Diplom-Wirtschaftspädagogen und Master of Business Administration an Universitäten in München und Konstanz. Er verfügt über langjährige Erfahrung als Berater, Auditor und Trainer für Managementsysteme. Als Lead Trainer der TÜV Süd Akademie führt Carsten Scheidig QM Fachkräfte- und Auditorenseminare durch. Er ist Lead Auditor für die BMW Group und akkreditierter Zertifizierungsauditor für 9001 und 14001.
#Ideengeber
#ZertifizierungNaUnd
„Zertifizierungen sind kein Hexenwerk. Ich spreche ISO – bin Normenmensch, aber kein Paragraphenreiter. Praxisorientiert, effizient und mit Leidenschaft für Beratung und Schulung. Familie, Freunde, Sport und mein Garten sorgen für den Ausgleich.“
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Sebastian Jürgel
Senior Consultant
Sebastian Jürgel absolvierte an der Universität der Bundeswehr sein Studium in Bildungsmanagement und Organisationsentwicklung und hat an der Allensbach Hochschule seinen MBA (GM) abgeschlossen. Er verfügt über langjährige Erfahrungen als Leiter für Qualitäts- und Umweltmanagement im Sondermaschinenbau und der Automobilzulieferindustrie sowie bei der Umsetzung von Zertifizierungen im internationalen Umfeld.
#problemlöser
#funktionierenmusses
„CSM ist nicht 9-to-5. CSM ist für den Kunden optimale Ergebnisse zu erzielen. Und nach der Arbeit? Geht es steil bergab, aber nur mit dem Bike auf dem nächsten Trail und mit ausreichend Airtime.“
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Nicole Scheidig
Senior Consultant
Nicole Scheidig ist Auditorin für Qualitätsmanagementsysteme, Food Safety und Datenschutzauditorin nach den Anforderungen der DSGVO. Durch ihre Arbeit als Trainerin und Beraterin für Implantologie und langjährige Führungskraft im medizinischen Bereich der Bundeswehr verfügt Sie über umfangreiche Erfahrung in der Medizinbranche.
„Qualität bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit klaren Prozessen nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Das macht mir Freude – dafür stehe ich.“
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Antje Grimmer
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Antje Grimmer hat ihre akademischen Abschlüsse in Personalmanagement und Business Administration an verschiedenen Hochschulen erlangt. Ihr Schwerpunkt liegt im Aufbau und der Weiterentwicklung von Managementsystemen für Qualität, Energie und Nachhaltigkeit.
#StructureWithHeart
„Ich liebe es, Struktur mit Empathie zu verbinden – so entstehen Lösungen, die wirklich zu unseren Kunden passen. Privat tanke ich Energie bei Familie, Freunden und Zumba.“
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Tobias Fischer verfügt als technisch versierter Qualitätsingenieur und FMEA-Experte über umfangreiche Erfahrungen in komplexen Entwicklungsprojekten im internationalen Bereich. Sein Schwerpunkt ist die Unterstützung bei der Anwendung der Automotive Core Tools sowie die Durchführung von Audits.
#ILoveFMEAandFriends
“Mit Dynamik, Verstand und Leidenschaft für Qualität entwickle ich praxisnahe und maßgeschneiderte Lösungen, die Organisationen nachhaltig erfolgreicher und effizienter machen.”
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