Wie setzen Unternehmen AQAP-Anforderungen um?
Unternehmen prüfen den Vertrag, führen eine GAP-Analyse durch, passen ihr Qualitätsmanagementsystem an und erstellen die geforderten Qualitäts- und Prüfnachweise.
Die Umsetzung wird projektbezogen durch interne Prüfungen, Audits des Auftraggebers und gegebenenfalls die staatliche Güteprüfung überwacht.
AQAP-Anforderungen sind vertraglich festgelegte Qualitätsvorgaben für militärische Produkte, Systeme und Dienstleistungen. In NATO-Mitgliedstaaten werden sie über Beschaffungs- und Rüstungsverträge verbindlich; welche Vorgaben gelten, richtet sich nach Auftrag, Liefergegenstand und Qualitätsrisiko.
AQAP steht für Allied Quality Assurance Publications. Die NATO hat diese Reihe entwickelt, um einheitliche Qualitätsstandards für internationale Verteidigungsprojekte zu schaffen. Viele Vorgaben bauen auf einem Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 auf. Für Aufträge im Verteidigungsumfeld kommen zusätzliche Pflichten hinzu, die der Auftraggeber im Vertrag festlegt.
Damit gibt es keinen einheitlichen AQAP-Anforderungskatalog für jedes Unternehmen. Ein Hersteller mit Entwicklungsverantwortung muss andere Vorgaben erfüllen als ein Lieferant, der ein fertiges Produkt bereitstellt oder lediglich die Endprüfung übernimmt.
Der Vertrag gibt den Rahmen vor. Er legt fest, welche Publikationen im jeweiligen Verteidigungsprojekt gelten und welche Nachweise der Auftragnehmer erbringen muss. Werden AQAP-Vorgaben vertraglich vereinbart, sind sie auch bei Aufträgen zwischen NATO-Mitgliedstaaten verbindlich.






Ein wirksames Qualitätsmanagementsystem bildet die organisatorische Grundlage. Verantwortlichkeiten müssen eindeutig geregelt sein, damit Entscheidungen, Prüfungen und Freigaben jederzeit einer zuständigen Stelle zugeordnet werden können. Die Leitung stellt dafür geeignete Ressourcen zur Verfügung und benennt Verantwortliche für die vertraglichen Qualitätsanforderungen.
Wichtig sind unter anderem:
Eine GAP-Analyse zeigt frühzeitig, wo die Wirksamkeit des bestehenden Qualitätsmanagements von den geforderten AQAP-Vorgaben abweicht. Auf dieser Basis können Unternehmen ihre Abläufe gezielt weiterentwickeln und in das bestehende Managementsystem integrieren.
Konfigurationsmanagement hält Produktstände, Änderungen und Freigaben unter Kontrolle. Bei militärischer Ausrüstung mit langen Lebenszyklen muss auch nach Jahren noch eindeutig erkennbar sein, welche Bauteile, Zeichnungsstände und Softwareversionen verwendet wurden.
Jede relevante Änderung wird bewertet, dokumentiert und einem freigegebenen Stand zugeordnet. Nur so behalten Prüfberichte während Fertigung, Einsatz und Instandhaltung ihren Aussagewert.
Die Rückverfolgbarkeit ergänzt diese Kontrolle. Materialien, Chargen, Fertigungsprozesse und Prüfergebnisse müssen sich dem ausgelieferten Produkt zuordnen lassen. Bei Abweichungen lässt sich dadurch zielgerichtet ermitteln, welche Güter oder Lieferungen betroffen sind.
Risikomanagement gehört zu den zentralen AQAP-Anforderungen. Im Fokus stehen technische Ausfälle, Qualitätsmängel und Störungen, die Sicherheit, Einsatzfähigkeit oder Lieferfähigkeit gefährden können.
Unternehmen bewerten Risiken möglichst früh und verfolgen sie über den gesamten Projektverlauf. Dabei zählen auch Schwachstellen in der Lieferkette, Obsoleszenz oder gefälschte Bauteile zu den relevanten Themen.
Ein belastbarer Prozess umfasst:
Prüfungen müssen nachweisen, dass Produkte die vertraglich vereinbarten Anforderungen erfüllen. Prüfumfang, Annahmekriterien und Freigaben werden deshalb vorab festgelegt und nachvollziehbar dokumentiert. Für Aufträge mit Schwerpunkt auf Endprüfung und Tests kann AQAP 2131 den maßgeblichen Rahmen bilden. Prüfberichte, Messwerte und Freigaben müssen dabei zum geprüften Produktstand passen.
Tritt eine Abweichung auf, wird das betroffene Produkt eindeutig gekennzeichnet und vor einer unbeabsichtigten Verwendung geschützt. Anschließend folgt eine dokumentierte Entscheidung über Nacharbeit, Reparatur, Sonderfreigabe oder Ausschuss. Der Auftraggeber erhält die vereinbarten Informationen und kann bei relevanten Entscheidungen eingebunden werden.
AQAP 2110 baut auf der ISO 9001 auf und ergänzt sie um Qualitätsanforderungen für komplexe Verteidigungsaufträge. Ein vorhandenes ISO-9001-System schafft damit eine gute Grundlage, deckt die vertraglichen AQAP-Vorgaben allein jedoch noch nicht ab.
Zusätzliche Anforderungen betreffen unter anderem das Konfigurationsmanagement, die Nachweisführung, das Risikomanagement und die Einbindung des Auftraggebers. Auch Änderungen an Produkten oder Prozessen unterliegen engeren Kontrollen. Wie weit beide Standards auseinanderliegen, zeigt unser Vergleich AQAP 2110 vs. ISO 9001.
Ein klassisches AQAP-Zertifikat nach dem Muster einer ISO-Zertifizierung gibt es nicht. In Deutschland prüft das Zentrum für technisches Qualitätsmanagement (ZtQ) des BAAINBw die AQAP-Konformität im Zusammenhang mit konkreten Verteidigungsaufträgen. Bei erfolgreicher Prüfung kann das BAAINBw eine Bestätigung der Konformität des Qualitätsmanagementsystems mit den AQAP-Anforderungen ausstellen.
AQAP-Anforderungen reichen bis in die Lieferkette. Der Hauptauftragnehmer muss relevante Qualitätsvorgaben an Lieferanten und Unterauftragnehmer weitergeben und deren Umsetzung angemessen überwachen. Welche Pflichten übertragen werden, hängt vom jeweiligen Lieferumfang und dessen Einfluss auf die Qualität des Endprodukts ab. Entscheidend ist eine klare Zuordnung.
Dazu gehören beispielsweise:
Die Verantwortung bleibt beim Hauptauftragnehmer. Eine belastbare Lieferantenbewertung und regelmäßig gepflegte Qualitätssicherungsvereinbarungen helfen, kritische Zulieferer gezielt zu steuern. Gleichzeitig stärken nachvollziehbare Kontrollen das Vertrauen von Auftraggebern und Partnern in die Qualitätssicherung der gesamten Lieferkette.
Die staatliche Güteprüfung, international als Government Quality Assurance (GQA) bezeichnet, ermöglicht eine projektbezogene Überwachung der vereinbarten Qualitätssicherung. In Deutschland übernehmen zuständige Güteprüfstellen des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) diese Aufgabe.
Umfang und Tiefe richten sich nach Vertrag, Qualitätsrisiko und Bedeutung des Liefergegenstands. Prüfungen erfolgen daher risikobasiert und folgen keinem starren Intervall.
Vertraglich vereinbarte Rechte können unter anderem umfassen:
Die Verantwortung des Auftragnehmers bleibt davon unberührt. Er muss die geforderte Qualität selbst sicherstellen und jederzeit belegen können, dass Prozesse, Produkte und Freigaben den vereinbarten Vorgaben entsprechen. Einheitliche AQAP-Standards erleichtern die Zusammenarbeit zwischen den NATO-Mitgliedsstaaten und fördern die Interoperabilität im internationalen Verteidigungsumfeld.
Unternehmen aus der Verteidigungs-, Luft- und Raumfahrtindustrie besitzen mit einer Zertifizierung nach EN 9100 eine gute Grundlage für komplexe Rüstungsaufträge. AQAP 2310 ergänzt diese Norm um NATO-spezifische Qualitätssicherungsanforderungen und die Einbindung der staatlichen Qualitätssicherung.
AQAP 2210 ergänzt die Anforderungen an das Qualitätsmanagement um Vorgaben für Entwicklung, Prüfung und Freigabe von Software. Im Fokus stehen geplante Qualitätssicherung, Konfigurationsmanagement, Fehlerverfolgung sowie nachvollziehbare Verifizierungs- und Validierungsnachweise.
Sie möchten sich über ISO-Normen informieren? Wir beraten Sie gerne.
Wir sind das Team hinter CSM Consulting

Carsten Scheidig
Geschäftsführer & Senior Consultant
Carsten Scheidig ist Gründer und Geschäftsführer der CSM Consulting. Er absolvierte sein Studium zum Diplom-Wirtschaftspädagogen und Master of Business Administration an Universitäten in München und Konstanz. Er verfügt über langjährige Erfahrung als Berater, Auditor und Trainer für Managementsysteme. Als Lead Trainer der TÜV Süd Akademie führt Carsten Scheidig QM Fachkräfte- und Auditorenseminare durch. Er ist Lead Auditor für die BMW Group und akkreditierter Zertifizierungsauditor für 9001 und 14001.
#Ideengeber
#ZertifizierungNaUnd
„Zertifizierungen sind kein Hexenwerk. Ich spreche ISO – bin Normenmensch, aber kein Paragraphenreiter. Praxisorientiert, effizient und mit Leidenschaft für Beratung und Schulung. Familie, Freunde, Sport und mein Garten sorgen für den Ausgleich.“
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Sebastian Jürgel
Senior Consultant
Sebastian Jürgel absolvierte an der Universität der Bundeswehr sein Studium in Bildungsmanagement und Organisationsentwicklung und hat an der Allensbach Hochschule seinen MBA (GM) abgeschlossen. Er verfügt über langjährige Erfahrungen als Leiter für Qualitäts- und Umweltmanagement im Sondermaschinenbau und der Automobilzulieferindustrie sowie bei der Umsetzung von Zertifizierungen im internationalen Umfeld.
#problemlöser
#funktionierenmusses
„CSM ist nicht 9-to-5. CSM ist für den Kunden optimale Ergebnisse zu erzielen. Und nach der Arbeit? Geht es steil bergab, aber nur mit dem Bike auf dem nächsten Trail und mit ausreichend Airtime.“
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Nicole Scheidig
Senior Consultant
Nicole Scheidig ist Auditorin für Qualitätsmanagementsysteme, Food Safety und Datenschutzauditorin nach den Anforderungen der DSGVO. Durch ihre Arbeit als Trainerin und Beraterin für Implantologie und langjährige Führungskraft im medizinischen Bereich der Bundeswehr verfügt Sie über umfangreiche Erfahrung in der Medizinbranche.
„Qualität bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit klaren Prozessen nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Das macht mir Freude – dafür stehe ich.“
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Antje Grimmer
Senior Consultant
Antje Grimmer hat ihre akademischen Abschlüsse in Personalmanagement und Business Administration an verschiedenen Hochschulen erlangt. Ihr Schwerpunkt liegt im Aufbau und der Weiterentwicklung von Managementsystemen für Qualität, Energie und Nachhaltigkeit.
#StructureWithHeart
„Ich liebe es, Struktur mit Empathie zu verbinden – so entstehen Lösungen, die wirklich zu unseren Kunden passen. Privat tanke ich Energie bei Familie, Freunden und Zumba.“
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Tobias Fischer
Senior Consultant
Tobias Fischer verfügt als technisch versierter Qualitätsingenieur und FMEA-Experte über umfangreiche Erfahrungen in komplexen Entwicklungsprojekten im internationalen Bereich. Sein Schwerpunkt ist die Unterstützung bei der Anwendung der Automotive Core Tools sowie die Durchführung von Audits.
#ILoveFMEAandFriends
“Mit Dynamik, Verstand und Leidenschaft für Qualität entwickle ich praxisnahe und maßgeschneiderte Lösungen, die Organisationen nachhaltig erfolgreicher und effizienter machen.”
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