AQAP 2110 spielt bei komplexen Verteidigungsaufträgen eine bedeutende Rolle, sobald Entwicklung, Produktion und Qualitätssicherung eng zusammenlaufen. Der Beitrag zeigt, für wen der NATO-Standard gilt, welche Anforderungen besonders wichtig sind und wie Unternehmen AQAP 2110 in Prozessen, Nachweisen und Lieferkette umsetzen.
Was ist AQAP 2110?
Als NATO-Standard ergänzt AQAP 2110 die ISO 9001 um militärspezifische Anforderungen an Entwicklung, Konstruktion und Produktion von Verteidigungsgütern.
Wer muss AQAP 2110 anwenden?
AQAP 2110 ist einer der am häufigsten verwendeten NATO-Standards für das Qualitätsmanagement im Verteidigungsbereich und kommt vor allem im Umfeld komplexer Entwicklungs- und Produktionsaufträge zum Einsatz. Die Publikation baut auf ISO 9001 auf und ergänzt deren Anforderungen um Vorgaben, die speziell auf komplexe und sicherheitskritische Verteidigungsprojekte zugeschnitten sind.
AQAP steht für Allied Quality Assurance Publication. Innerhalb dieser Normenfamilie schafft AQAP 2110 einen gemeinsamen Rahmen für Auftraggeber und Auftragnehmer, damit AQAP-Anforderungen über den gesamten Projektverlauf nachvollziehbar geplant, umgesetzt und geprüft werden können.
Die Anwendung ist projektabhängig und vertraglich geregelt. Der jeweilige Vertrag legt fest, welche Normanforderungen aus AQAP 2110 für den Auftrag gelten.
Im Fokus von AQAP 2110 stehen Unternehmen, die Verteidigungsgüter entwickeln, konstruieren und produzieren. Relevant wird die Norm, wenn ein Auftraggeber sie in einer Ausschreibung oder im späteren Vertrag ausdrücklich als verbindliche Vorgabe festlegt.
Typische Anwender sind Systemhäuser, Hersteller und technische Zulieferer, die für die Bundeswehr, NATO-Partner oder andere Auftraggeber der Verteidigungswirtschaft arbeiten. Auch Unterlieferanten können einbezogen werden, sobald ihre Leistung Einfluss auf die Qualität, Funktion oder Sicherheit des späteren Liefergegenstands hat.
Entscheidend sind daher weniger Branche oder Unternehmensgröße als der konkrete Leistungsumfang. Bei reinen Prüf- oder Lieferaufträgen können andere AQAP-Standards wie AQAP 2131 besser zum jeweiligen Projekt passen.






Wer bereits nach ISO 9001 arbeitet, startet bei AQAP 2110 nicht bei null. Viele Grundlagen im Qualitätsmanagement sind vorhanden, etwa geregelte Prozesse, Verantwortlichkeiten und dokumentierte Abläufe.
Für Verteidigungsaufträge reicht dieser Rahmen allein jedoch meist nicht aus. AQAP 2110 ergänzt die ISO 9001 um zusätzliche AQAP-Anforderungen, beispielsweise beim Risikomanagement, Konfigurationsmanagement oder bei der Rückverfolgbarkeit von Materialien und Bauteilen. Auch der Auftraggeber erhält weitergehende Prüf- und Zugangsrechte.
In der Praxis wird das bestehende QM-System deshalb gezielt erweitert. Welche Prozesse angepasst werden müssen und wie groß der zusätzliche Aufwand ausfällt, hängt stark vom Vertrag, dem Produkt und der eigenen Ausgangslage ab.
Die Unterschiede im Detail zeigen wir im Beitrag AQAP 2110 vs. ISO 9001.
Gefälschte oder nicht eindeutig nachvollziehbare Bauteile können bei Verteidigungsgütern erhebliche Qualitäts- und Sicherheitsrisiken verursachen. AQAP 2110 verlangt deshalb geeignete Prozesse, um Counterfeit-Material zu vermeiden, zu erkennen und bei Verdachtsfällen kontrolliert zu behandeln.
Besonders betroffen sind Einkauf und Lieferantensteuerung. Verlässliche Bezugsquellen, eindeutige Herkunftsnachweise, Rückverfolgbarkeit und geeignete Prüfungen im Wareneingang helfen dabei, verdächtige Materialien früh aus der Lieferkette herauszufiltern.
Konfigurationsmanagement stellt sicher, dass jederzeit eindeutig feststeht, welcher technische Stand eines Produkts gültig ist. Zeichnungen, Stücklisten, Bauteile, Dokumente und Softwareversionen müssen deshalb einer freigegebenen Konfiguration zugeordnet werden können.
Ändert sich beispielsweise eine Baugruppe, betrifft das häufig mehr als die Zeichnung selbst. Prüfplanung, Fertigungsunterlagen, Schnittstellen und bereits erzeugte Nachweise müssen weiterhin zum freigegebenen Produktstand passen.
Government Quality Assurance (GQA) ergänzt die Qualitätssicherung des Auftragnehmers um eine staatliche, risikobasierte Überwachung. In Deutschland können die zuständigen Stellen des BAAINBw im Rahmen eines Verteidigungsauftrags Prozesse, Produkte und qualitätsrelevante Nachweise prüfen.
Welche Rechte tatsächlich bestehen, ergibt sich aus dem Vertrag. Möglich sind etwa Dokumentenprüfungen, Prüfungen vor Ort, Einblicke in ausgewählte Produktionsbereiche oder die Begleitung definierter Prüfschritte.
Die eigentliche Qualitätsverantwortung bleibt beim Auftragnehmer. Genau deshalb muss die Einhaltung der AQAP 2110 auch unabhängig von einer konkreten Behördenprüfung im Projektalltag funktionieren.
Für Unternehmen aus Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung ist EN 9100 meist bereits fester Bestandteil des Qualitätsmanagements. Viele Prozesse zu Konfigurationsmanagement, Rückverfolgbarkeit und Risikosteuerung sind dort bereits verankert.
AQAP 2110 ergänzt diese Strukturen um NATO-spezifische Vorgaben, etwa zur staatlichen Qualitätssicherung und projektbezogenen Nachweisführung.
Einen deutlich anderen Schwerpunkt setzt AQAP 2131. Hier stehen Endprüfung, Tests und der Nachweis der Produktkonformität im Vordergrund, während umfangreiche Entwicklungsverantwortung eine geringere Rolle spielt. Damit eignet sich die Publikation vor allem für Liefergegenstände, die nach festgelegten Vorgaben gefertigt oder bereitgestellt werden.
Sobald Software zum Liefergegenstand gehört, können zusätzliche Anforderungen entstehen. AQAP 2210 ergänzt die Qualitätssicherung um Vorgaben für Softwareentwicklung, Verifizierung, Konfigurationsmanagement und Fehlerbehandlung.
Besonders wichtig bleibt die Nachvollziehbarkeit. Änderungen, Tests und Freigaben müssen eindeutig dem jeweiligen Softwarestand zugeordnet werden, damit auch bei späteren Anpassungen klar bleibt, welche Version geprüft und freigegeben wurde.
Spätestens bei Konfigurationsmanagement, Lieferantensteuerung und umfangreicher Nachweisführung zeigt sich, dass AQAP 2110 im Projektalltag viele Bereiche gleichzeitig betrifft. Schulungen helfen dabei, die zusätzlichen NATO-Anforderungen auf konkrete Aufgaben zu übertragen und Zuständigkeiten im Unternehmen sauber zu klären.
Besonders relevant ist das für Mitarbeiter aus Qualitätsmanagement, Entwicklung, Einkauf, Produktion und Projektleitung. Standardisierte, offene Online-Trainings stehen beispielsweise über Akademien wie TÜV SÜD, TÜV Rheinland oder DGQ zur Verfügung. Sie vermitteln die Unterschiede zu ISO 9001, Anforderungen an Risiko- und Konfigurationsmanagement sowie den Umgang mit Nachweisen und Government Quality Assurance.
Welche Schulungsform, Beratung oder projektspezifische Lösungen sinnvoll sind und mit welchen Kosten Unternehmen rechnen sollten, zeigt unser Beitrag zu den AQAP-Kosten.
Sie möchten sich über ISO-Normen informieren? Wir beraten Sie gerne.
Wir sind das Team hinter CSM Consulting

Carsten Scheidig
Geschäftsführer & Senior Consultant
Carsten Scheidig ist Gründer und Geschäftsführer der CSM Consulting. Er absolvierte sein Studium zum Diplom-Wirtschaftspädagogen und Master of Business Administration an Universitäten in München und Konstanz. Er verfügt über langjährige Erfahrung als Berater, Auditor und Trainer für Managementsysteme. Als Lead Trainer der TÜV Süd Akademie führt Carsten Scheidig QM Fachkräfte- und Auditorenseminare durch. Er ist Lead Auditor für die BMW Group und akkreditierter Zertifizierungsauditor für 9001 und 14001.
#Ideengeber
#ZertifizierungNaUnd
„Zertifizierungen sind kein Hexenwerk. Ich spreche ISO – bin Normenmensch, aber kein Paragraphenreiter. Praxisorientiert, effizient und mit Leidenschaft für Beratung und Schulung. Familie, Freunde, Sport und mein Garten sorgen für den Ausgleich.“
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Sebastian Jürgel
Senior Consultant
Sebastian Jürgel absolvierte an der Universität der Bundeswehr sein Studium in Bildungsmanagement und Organisationsentwicklung und hat an der Allensbach Hochschule seinen MBA (GM) abgeschlossen. Er verfügt über langjährige Erfahrungen als Leiter für Qualitäts- und Umweltmanagement im Sondermaschinenbau und der Automobilzulieferindustrie sowie bei der Umsetzung von Zertifizierungen im internationalen Umfeld.
#problemlöser
#funktionierenmusses
„CSM ist nicht 9-to-5. CSM ist für den Kunden optimale Ergebnisse zu erzielen. Und nach der Arbeit? Geht es steil bergab, aber nur mit dem Bike auf dem nächsten Trail und mit ausreichend Airtime.“
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Nicole Scheidig
Senior Consultant
Nicole Scheidig ist Auditorin für Qualitätsmanagementsysteme, Food Safety und Datenschutzauditorin nach den Anforderungen der DSGVO. Durch ihre Arbeit als Trainerin und Beraterin für Implantologie und langjährige Führungskraft im medizinischen Bereich der Bundeswehr verfügt Sie über umfangreiche Erfahrung in der Medizinbranche.
„Qualität bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit klaren Prozessen nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Das macht mir Freude – dafür stehe ich.“
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Antje Grimmer
Senior Consultant
Antje Grimmer hat ihre akademischen Abschlüsse in Personalmanagement und Business Administration an verschiedenen Hochschulen erlangt. Ihr Schwerpunkt liegt im Aufbau und der Weiterentwicklung von Managementsystemen für Qualität, Energie und Nachhaltigkeit.
#StructureWithHeart
„Ich liebe es, Struktur mit Empathie zu verbinden – so entstehen Lösungen, die wirklich zu unseren Kunden passen. Privat tanke ich Energie bei Familie, Freunden und Zumba.“
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Tobias Fischer
Senior Consultant
Tobias Fischer verfügt als technisch versierter Qualitätsingenieur und FMEA-Experte über umfangreiche Erfahrungen in komplexen Entwicklungsprojekten im internationalen Bereich. Sein Schwerpunkt ist die Unterstützung bei der Anwendung der Automotive Core Tools sowie die Durchführung von Audits.
#ILoveFMEAandFriends
“Mit Dynamik, Verstand und Leidenschaft für Qualität entwickle ich praxisnahe und maßgeschneiderte Lösungen, die Organisationen nachhaltig erfolgreicher und effizienter machen.”
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